Bei der Büttensitzung des 1. OKK wurden natürlich auch die Rheinberger aufs Korn genommen. Zapfenstreich war erst um zwei Uhr in der Nacht.

Dass in Orsoy die Narren die Macht haben, war unüberhörbar. Aus dem Festzelt an der Grundschule klang es weit über Orsoys Grenzen hinaus: Hundertfaches Helau, dazu Lachsalven, wenn bei einer Büttenrede ein Gag besonders gut ankam. Auch ohne närrischen Regenten, Orsoy ist die einzige Hochburg, die keine Hoheiten, nicht einmal einen Kinderprinzen, hat. Was der karnevalistischen Freude keinen Abbruch tat.

Oschau Helau!
Pünktlich um 19.30 Uhr hieß es „Oschau Helau!" Da zog der Elferrat des 1. Orsoyer Karnevalskomitees mit seinem Präsidenten Paul van Holt und den drei Tanzgarden unter den Klängen des Spielmannszugs des Löschzugs Orsoy ins narrenbunte Festzelt.

Was die „Oschauer" auszeichnet, sind die stets phantasiereichen Kostüme. Wie die der jungen Damen, die als Schlümpfe oder Zwerge auftraten. Oder die Fliegenpilze mit den gewaltig großen weißgefleckten roten Pilzschirmen auf dem Kopf. Die Girls hatten gleich ein „Pittermänneken", ein Zehn-Liter-Fass Bier, auf den Tisch gestellt.

Dem Stadtteil Oschau, Freunden aus dem Elferrat und natürlich dem ewigen Konkurrenten Rheinberg widmete sich ein Urlauber, Christian Piepenstock. „Piepe" kam von Mallorca, erzählte vom Heimflug. Mit dabei waren Bürgermeister Hans-Theo Mennicken und OKK-Präsident van Holt („der Mann aus der verbotenen Stadt – er wohnt seit einiger Zeit in Rheinberg"). Nur zwei Fallschirme waren an Bord, als die Maschine in Not geriet. Da ließ man dem Bürgermeister den Vortritt. Den letzten Schirm wollte van Holt dem jüngeren Piepe geben, doch der klärte auf: „Der Rheinberger ist gerade mit dem Schlafsack abgesprungen." So erzählte Piepe einige Witze über Rheinberger: Der Unterschied zwischen denen und einem Ei? „Ein Ei kann man nur einmal in die Pfanne hauen."

„Was man so lernt durch Wissenschaft, das ist doch einfach fabelhaft" dozierte Professor Dr. Zweistein alias Dr. Peter Houcken. Großartig, wie er die Narren über die Unterschiede zwischen Mann und Frau anhand zweier Schautafeln und den Chromosomen X und Y aufklärte. Da blieb in der köstlich gereimten Lehrstunde des weißhaarigen Professors kein Auge trocken. Eine Augenweide waren die Tanzgarden des OKK: Die acht Piccolinos, die große Tanzgarde und die „Under 18" als amerikanische Polizistinnen. Auch die Moerser Magic Unity, Vizeweltmeister im Gardetanz, begeisterte.

Musikalisch brachten Oschauer Eigengewächse das Zelt zum kochen: Ralle aus Malle (Ralf Scharfe) lockte mit Stimmungsliedern Urlauber „Piepe" noch mals auf die Bühne. Auch die fünf Fährmänner, seit 25 Jahren eine Gesangsgruppe, drehten richtig auf. Für Begeisterung sorgte daneben das Männerballett, die Oschauer Schüppenstiele.

Rosita, die Kölsche Nachtigall, sorgte mit Karnevalssongs aus d'r Domstadt für Stimmung und Engel Hedwig nahm in der Bütt die Leidensgenossinnen aufs Korn, besonders die Molligen.

Nach dem Finale ging's weiter hoch her: Erst um zwei Uhr in der Nacht war Zapfenstreich. Die Rhinberkse Jonges marschierten mit Prinz Christian I. samt Standarte ein, man hätte es mit einer närrischen Machtübernahme verwechseln können – vielleicht eine späte Rache für die Rheinberg-Witze.